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  • Christoph Schmitt

Kehraus.




Und wir tun es mit Verve. Wir zelebrieren es. Wir sorgen jeden einzelnen Tag dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Vor allem in der Bildung. Wenn ein Methodenkoffer nicht mehr funktioniert, dann erfinden wir einen neuen. Und noch einen. Wir kümmern uns nicht. Wir informieren uns nicht. Wir halten stattdessen in zweierlei Hinsicht am Alten fest. Erstens soll das Alte bleiben: Lehre, Besserwisserei, Bulimie-Pädagogik, Vermittlungsdidaktik, Reproduktion bestehender Verhältnisse. Malen nach Zahlen. Engstirnig und ums eigene Überleben im System besorgt, gefangen in der Vorstellung von der eigenen Unverzichtbarkeit. Überzeugt davon, dass der neue Wein unter allen Umständen in die alten Schläuche muss. Komme, was da wolle.

Zweitens: Wir halten nicht nur das Alte fest. Wir halten uns an ihm fest, wie sich die Passagiere der untergehenden Titanic an allem festgehalten haben, was in Griffweite war. Wir realisieren nicht, wie sinnlos es ist, sich in Überlebenshoffnung an etwas festzuhalten, das selbst im Untergang begriffen ist. Darum tun wir es.

Und wie sollen Menschen in so einer Haltung jungen Menschen Lust auf eine Reise machen können, die Zukunft heißt? Gar nicht.

Das ist eine bedeutsame Verantwortungslosigkeit. Der Verrat an der nächsten Generation ist auch ein Verrat an so vielen dringend zu ergreifenden Chancen, die wir dem Planeten schulden: Lösungen in den weltweiten Migrationsfragen, der geopolitischen und regionalen Neuordnungen, der ökologischen Radikalwende, der Erfindung neuer ökonomischer Systeme, der Entwicklung tragfähiger sozialer Konzepte für unser Zusammenleben: Partizipation. Ganz zu schweigen von den radikalen Veränderungen, die durch die Digitalisierung in all diesen Bereichen bereits am Anheben ist: Das Verschwinden von Arbeit, die Entstehung und Vernetzung digitaler Intelligenzen.

Diese Agenda ist mit dem Mindset, an dem unser Bildungssystem auf allen Ebenen und in allen Formaten so unbeirrt festhält, nicht nur nicht zu schaffen. Wir verhindern durch unsere mal weinerliche, mal polternde Ignoranz eine entsprechende Bildung und Ausbildung. Wir verhindern, dass sich ein Geist der Vernetzung und der Kollaboration entwickeln kann, der die Grundlage für das Lösen all jener Herausforderungen ist, die wir konsequent vertagen.

Wir sind das Problem, zu dessen Lösung wir antreten.

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